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| Historischer Rückblick |
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1919 – 2009 In einer Zeit, als die Pädiatrie in Deutschland noch in den Anfängen war, und es in Niederbayern für kranke Kinder keinerlei Krankenhausbehandlung gab, erwarb P. Jakob Schauermann OFM im Jahre 1918 für seine junge Schwesternschaft das ehemalige Wirtshaus "Radspieler" an der Schönbrunnerstraße, um daraus ein Säuglingsheim zu machen. Säuglingsheime waren damals Einrichtungen für arme Waisenkinder und kranke Kinder. Am 01.01.1919 wurde der erste und einzige Kinderarzt Niederbayerns, Dr. Ernst Mößmer, als Leiter verpflichtet. Am 1. April 1919, wurde das Säuglingsheim eröffnet. Es wurden in diesem Jahr 72 Säuglinge und Kleinkinder aufgenommen. Da die Einrichtung aus einer Notlage in der Bevölkerung entstand, gehört die Sorge um die Gesunderhaltung bzw. Krankenbehandlung von Kindern zum großen Anliegen der Solanusschwestern. |
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In privater Initiative (es gab noch keine gesetzlichen Vorschriften) wurde am 01.01.1919 eine Schule für Säuglings- und Kinderkrankenpflege eröffnet - denn es gab wenig Kenntnis über die Pflege und Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern und über die Hygiene bei Hospitalisierung kleiner Kinder. Dies war mit ein Grund, warum Säuglinge so lange nicht in Krankenhäuser aufgenommen wurden. Die ausgebildeten Schwestern sollten in Krankenanstalten und Familien tätig sein. Die heute noch bestehende Berufsfachschule für Kinderkrankenpflege ist die drittälteste Schule dieser Art und geht in ihrer Wurzel auf diese Gründung zurück (siehe hierzu auch das Kapitel über die Kinderkrankenpflegeschule). |
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Obwohl beide Einrichtungen sich gut fortentwickelten, waren "Haushaltssorgen" immer da. 1923, zur Zeit der Hochinflation, gab es laut Chronik ein Defizit von 1.045.995.966 Trillionen Mark. Diese Zahl wurde später nie mehr erreicht. |
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1938 kamen Gerüchte auf, dass der NSV (Nationalsozialistischer Schwesternverband) das Haus übernehmen sollte und die Solanusschwestern durch "Braune Schwestern" ersetzt würden. Dr. Mößmer konnte durch seinen Einsatz dies hinauszögern. Als schließlich 1939 die Mobilmachung kam, zerschlugen sich die Pläne der Nationalsozialisten in Landshut; sie richteten ihre Aktivitäten auf die Kriegsvorbereitung. Ab 1942 gab es immer öfter Fliegeralarm - die Kinder mussten jedes Mal in den ehemaligen Brauereikeller der Missionsdruckerei gebracht werden. Die NSDAP versuchte, eine größere Zahl Lernschwestern des NS-Reichsbundes einzuschleusen. Aufgrund der Kriegswirren konnte auch dieser Versuch abgewehrt werden. |
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1945 war am 19.März ein schwerer Bombenangriff auf Landshut. Im Bereich des Solanushauses und des Säuglingsheimes fielen 11 Sprengbomben - aber die beiden Häuser blieben erhalten. Der Luftschutzraum im Keller mit den kleinen Patienten und ihren Pflegerinnen blieb unversehrt. Während des Tieffliegerangriffes im März 1945 legten 9 Lernschwestern ihre Prüfung ab - die Amerikaner waren schon im Anmarsch. Ab Mai hatte Landshut eine amerikanische Militärregierung - sie genehmigte die Weiterführung von Säuglingsheim und Pflegeschule. 1946 waren 60 Betten belegt. Neben dem Chefarzt Dr. Mößmer wurde erstmals noch ein Assistenzarzt eingestellt. Die Kuhmilch wurde vom Bauernhof der Schwestern geliefert. Für die Frühgeburten und jungen Säuglinge waren Ammen angestellt. Dies waren meist alleinerziehende Frauen, die kostenlos mit ihren Kindern im Säuglingsheim lebten und ihre Milch für die Patienten zur Verfügung stellten, bzw. die Säuglinge auch stillten. Die Bettenzahl stieg kontinuierlich. 1951 waren es 100 Betten; der Pflegesatz betrug 3, — DM. Am 1. April 1958 trat Dr. Mößmer in den wohlverdienten Ruhestand, ausgezeichnet mit der Bürgermedaille der Stadt Landshut und dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse. 1958 übernahm Dr. Erich Geiger die ärztliche Leitung des "Säuglingsheimes", das eigentlich ein Säuglings- und Kleinkinderkrankenhaus war. Unter seiner Leitung -er brachte Impulse der modernen Pädiatrie mit ein - entwickelte sich rasch ein Kinderkrankenhaus für Kinder und Jugendliche. Durch immer höhere Belegzahlen und neue Anforderungen der Medizin wurde ein Neubau immer dringender notwendig. |
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1969, am 24. April, halfen Sanitätseinheiten der Bundeswehr, 140 kranke Kinder in den Neubau am Hofberg zu verlegen. Der Umzug verlief reibungslos - die Umstellung vollzog sich rasch und vorbildlich. Die Einweihung des Kinderkrankenhauses St. Marien wurde am 24. Juni 1969 durch Kardinal Julius Döpfner vorgenommen. Die Kinderklinik hatte zunächst 260 Planbetten und 9 Stationen und erstmals OP-Säle, so dass auch Chirurgen im Kinderkrankenhaus tätig werden konnten. Die Operationen wurden zunächst durch die Chirurgen des Kreiskrankenhauses Landshut-Achdorf abgedeckt, bis am 1. Februar 1983 unter der Leitung von Chefarzt Dr. Jahn eine eigenständige kinderchirurgische Abteilung eröffnet wurde. Ebenso wurde eine eigene Anästhesieabteilung eröffnet, zunächst unter der gemeinsamen Leitung von Dr. Ina von Kuepach und Dr. Ulrich Hofmann. 1981 baute der damalige Oberarzt Dr. Klaus Hofweber den Neugeborenen-Notarzt-Dienst auf und die bereits bestehende Frühgeburtenstation wurde zu einer leistungsfähigen interdisziplinären Intensivstation ausgebaut. Schließlich wurde das Kinderkrankenhaus im Verbund mit den örtlichen Krankenhäusern zum Perinatalzentrum erhoben. |
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1988, am 1. April, übernahm Dr. Klaus Hofweber die Nachfolge von Chefarzt Dr. Geiger. Von 1994 bis 2003 war er außerdem Ärztlicher Direktor des Hauses. Seine Nachfolge trat am 1. März 2003 sein bisheriger leitender Oberarzt, Herr Dr. Reinhard Herterich an. Auch in der Kinderchirurgie kam es zwischenzeitlich zum „Stabwechsel“: Seit dem 1. Mai 2002 haben die Chefärzte im Kollegialsystem, Dr. Thomas Fels und Dr. Oliver Fuchs, die Leitung inne. Während die Zahl der zu versorgenden Patienten kontinuierlich zunahm, ging die Verweildauer von 27,9 auf 5 Tage zurück. Durch diese, für die Patienten so erfreuliche Verkürzung des Krankenhausaufenthaltes, konnte die Zahl der Planbetten von 260 auf 135 verringert werden. Trotz sinkender Bettenzahl nimmt der Raumbedarf ständig zu. Die Zahl der behandelten Kinder und Jugendlichen ist gestiegen und die diagnostischen und therapeutischen Einrichtungen wurden kontinuierlich erweitert. Auch die heute übliche Unterbringung von Begleitpersonen erfordert zusätzlichen Raum. Somit sind laufend Umbaumaßnahmen notwendig. Ein großer Bauabschnitt wurde 1993 beendet, die Generalsanierung der Pflegebereiche wurde 2003 abgeschlossen und die Erweiterung des Aufwachraumes in 2004 wird die voraussichtlich letzte größere Baumaßnahme sein. Aus der Sicht der Ordensgemeinschaft, die für die ganze Entwicklung verantwortlich zeichnet, gab es große Wagnisse, z.B. als Mutter M. Claudia Ambros 1962 sich mit ihrem Generalrat für den Neubau auf dem Hofberg entschied . In dieser Zeit mussten ausschließlich Eigenmittel für die Baufinanzierung eingesetzt werden. Jede Neuentwicklung war mit Risiken verbunden, die von den Schwestern mit Gottes Hilfe getragen wurde. Ab Januar 1998 wurde die Geschäftsführung an die Krankenhaus-Management-Firma ProCura übergeben. Dadurch erhofft sich der Träger ein System professioneller Erbringung von Dienstleistungen in Zeiten steigender Anforderungen an das Krankenhaus. Der Charakter eines Ordenskrankenhauses bleibt aber erhalten, da der Träger nach wie vor die Solanusschwestern sind; Ordensschwestern sind weiterhin mit im Krankenhausdirektorium und in der Klinik tätig. |